AG Bibliotheken privater Hochschulen

im Deutschen Bibliotheksverband (dbv)

Öffnungs- und Nutzungszeiten unserer Bibliotheken


Unsere Hochschulen zeichnen sich aus durch Elite, Exklusivität und Exzellenz.
Können ihre Bibliotheken diesen noblen Ansprüchen nur gerecht werden durch permanente Öffnung für und Nutzbarkeit durch ihre Kunden? Die 24-Stunden-Öffnung bedingt eine adäquate Organisation der Bibliothek, aus ihr resultieren immense Kosten für ununterbrochene Heizung oder Kühlung, Beleuchtung, Belüftung und Bewachung. Ist dies noch zu rechtfertigen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise oder explosionsartig steigender Energiekosten? Sind die Kunden privater Hochschulbibliotheken und ihre Ansprüche tatsächlich so grundverschieden von den Kunden staatlicher Hochschulen und deren Ansprüchen? Wäre es Ihnen – auch den eigenen Biorhythmus berücksichtigend – nicht zuzumuten, der Bibliothek zwischen Mitternacht und 06:00 Uhr morgens fernzubleiben und die frei werdenden, immer knapper werdenden Gelder stattdessen in den Aufbau des informationellen Bestandes zu investieren? Wieviel Prozent meiner 1.000 Kunden müssen tatsächlich alternativlos morgens um 02:30 Uhr einen juristischen Kommentar wälzen oder um 05:00 Uhr durch die eintreffenden Putzgeschwader von der Lektüre einer juristischen Festschrift abgehalten werden? Wären weniger umfangreiche Öffnungszeiten bei voller Personalpräsenz nicht wesentlich effizienter, ökonomischer, ökologischer und kundenorientierter als eine 24-Stunden-Öffnung mit nur 40%iger Anwesenheit kompetenten Personals?

Wie sehen die Erfahrungen anderer Privathochschulbibliotheken aus, wie lauten Ihre Empfehlungen?

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2 Responses

  1. mijobb sagt:

    Das Thema wird derzeitig in der inetbib-Liste heiß diskutiert: „[InetBib] Fernleihautomat ermöglicht 24/7 Vollservice“.

    Wir sind keine 24/7 Bibliothek,im Gegenteil. Personalkürzungen machten eine sukzessive Reduzierung der Öffnungszeiten von einer 67 Std./Woche auf 45 Std./Woche notwendig. Selbst die Einhaltung der reduzierten Öffnungszeiten kann nicht garantiert werden. Immer wieder kommt es aufgrund von Personalmangel zu kurzfristigen Schließungen während des laufenden Semesters. Da die Studienräume und der Lesesaal nahezu rund um die Uhr geöffnet sind, wurde diese Entwicklung von unseren Studierenden scheinbar so hingenommen. Arbeitsplätze sind ausreichend vorhanden, Kopierer und elektronische Ressourcen auch außerhalb der Bibliothek zugänglich.

    Eine kürzlich begonnene online-Umfrage bringt jedoch zu Tage, dass diese Änderungen von unseren Studenten doch nicht unkritisch gesehen werden. Die endgültige Auswertung steht noch bevor, aber schon jetzt wird deutlich, dass die Zufriedenheit der Nutzer mit den Öffnungszeiten nur im Zusammenhang mit dem Bestand und den Räumlichkeiten zu sehen ist.
    Tendenziell sind unsere Studierenden mit den Öffnungszeiten zufrieden, da der Printbestand sehr klein ist und nicht so stark frequentiert wird. Gleichzeitig wird aber ausdrücklich die Erweiterung des elektronischen Bestands gefordert, der nicht als ausreichend empfunden wird. Darüber hinaus wurde der Wunsch nach erweiterten Öffnungszeiten während der Prüfungsphasen geäußert. Optimal wäre eine Erweiterung der Öffnungszeiten in den Abendstunden und die Öffnung der Bibliothek am Wochenende.

    Hätte die Bibliothek einen großen Printbestand, ständen nicht genügend Arbeitsplätze und kein technisches Equipment außerhalb(!) der Bibliothek zur Verfügung, sähe das Ergebnis sicherlich ganz anders aus.

  2. Hannelore Pöthig sagt:

    Wir haben jetzt 9 Jahre Erfahrung mit der 24/7-Bibliothek. Davor hatten wir Service-Zeiten an Wochentagen bis 20 Uhr und am Samstag eine Art „Notbesetzung“ mit studentischen Hilfskräften. Das wurde als nicht ausreichend empfunden und die Forderungen nach dem 24/7 Betrieb wurden immer lauter.
    Unsere Studenten haben via Chipkarte Zugang zum Lesesaal und Freihandmagazin und können an einem Selbstverbuchungsterminal auch Bücher ausleihen. Der Zugang wird protokolliert, es gibt eine Videokamera aber keine Buchsicherungsanlage. Die Ergenisse der Bestandsrevisionen haben bislang keine erhöhten Schwundraten durch diese Regelung ergeben. Die Statistik des SB-Terminals zeigt vor allem in Prüfungsphasen erstaunlich hohe Verbuchungsquoten in den späten Nachtstunden.
    Unsere Benutzer haben das 24/7 Angebot sehr positiv aufgenommen. Sie kommen während der Servicezeiten (wochentags bis 19 Uhr) in die Bibliothek, um die qualifizierte Beratung in Anspruch zu nehmen und sind sehr froh darüber, zu jeder Zeit in der Bibliothek arbeiten und ausleihen zu können. Ein 24/7 Betrieb mit Personalpräsenz wäre bei uns nicht realisierbar.

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