AG Bibliotheken privater Hochschulen

im Deutschen Bibliotheksverband (dbv)

Vom Sinn & Unsinn der FAMI-Ausbildung in krisenhaften Zeiten

Der Ausbildungsberuf „Fachangestellter/Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste“ (FAMI) wird staatlich anerkannt.

Er ist Ausbildungsberuf des Öffentlichen Dienstes und der gewerblichen Wirtschaft. (Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste / zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste vom 3. Juni 1998 (BGBl. I S. 1257 vom 15. Juni 1998), geändert durch die Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste / zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste vom 15. März 2000 (BGBl. I S. 222 vom 22. März 2000).

Die Bibliothek unserer Hochschule konnte am 01.09.2004 ihre erste Auszubildende (und damit auch die bis heute einzige Auszubildende auf dem gesamten Campus!) begrüßen. Die junge Dame absolvierte nach dem dualen System der Berufsausbildung in Deutschland ihre dreijährige Ausbildung. Den praktischen Teil übernahmen wir mit drei Tagen pro Woche, den theoretischen Teil die lokale Handelsschule mit zwei Tagen pro Woche. Die Vermittlung theoretischer Kenntnisse wurde egänzt durch zahlreiche zusätzliche Seminare bei der Handelskammer Hamburg und weiteren externen Anbietern. Ende August 2007 schloss die Auszubildende ihre Ausbildung mit hervorragenden Ergebnissen ab – und musste trotz vorbildlicher Integrierbarkeit in unser Team und nur hauchdünner Personaldecke entlassen werden.

Seit 01.09.2007 wird nun die zweite Auszubildende zur FAMI trainiert. Erneut hatten wir bereits im Auswahlverfahren einen guten Griff getan, erneut wird die junge Frau so gut abschneiden, dass sie ihre Ausbildungszeit um ein Drittel verkürzt und Ende August dieses Jahres ein blendendes Abschlusszeugnis erhalten wird. Erneut stünde eine engagierte, motivierte Kraft zur Verfügung, die nahtlos in das vorhandende Bibliotheksteamchen mit stetig wachsenden Aufgaben integriert werden könnte. Und wieder muss eine Mitarbeiterin, in deren Ausbildung viel Zeit, Geld, Arbeitskraft und Enthusiasmus aller Beteiligter investiert wurde, die Hochschule verlassen.

Nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten Erfahrung mit dem Thema FAMI-Ausbildung an staatlichen Universitätsbibliotheken hier einige Fragen an die Experten in privaten Bibliotheken:

  • Wer von Ihnen praktiziert ebenfalls die Ausbildung zukünftiger FAMI?
  • Würden Sie die FAMI-Ausbildung eher als Bereicherung oder als Belastung für Ihr Bibliotheksteam einschätzen?
  • Wo haben FAMI in Ausbildung hohe Chancen auf Übernahme nach erfolgreicher Absolvierung ihrer Ausbildungszeit?
  • Sind die FAMI an privaten Hochschulbibliotheken bessere Absolventen als diejenigen an staatlichen Institutionen?
  • Wer teilt unsere Erfahrungen an einer privaten Hochschule und wie werden diese begründet?
  • Sollte man FAMI-Ausbildung mit den geschilderten Resultaten überhaupt fortsetzen?
  • Wäre es nicht sinnvoller und auch ökonomischer, die Produkte der Institutionen des Öffentlichen Dienstes zu übernehmen?
  • Oder sollte man Sinn und Ökonomie einfach beiseite lassen und die Chance nutzen, einem jungen Menschen zu einem fabelhaften Berufsabschluss zu verhelfen? 

Meinen Dank im voraus für Ihre Stellungnahme!
Martin Vorberg.

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