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im Deutschen Bibliotheksverband (dbv)

31. Österreichischer Bibliothekartag – Nachlese

Martin Vorberg, Direktor der Hengeler Müller-Bibliothek der Bucerius Law School, hat unsere österreichischen Kolleginnen und Kollegen in Innsbruck besucht. Seine Eindrücke und Erfahrungen vom 31. Österreichischen Bibliothekartag hat Herr Vorberg in einem Bericht zusammengefasst, der hier „Die neue Bibliothek“ – Anspruch und Wirklichkeit – nachzulesen ist. Herzlichen Dank dafür!

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Servus Nachbarn!

Herr Martin Vorberg, Leiter der Hengler Müller Bibliothek an der Bucerius Law School, ist so freundlich uns an seinen Eindrücken vom 30. Österreichischischen Bibliothekartag teilhaben zu lassen. Er selbst hat auf dem Bibliothekartag einen Vortrag zum Thema elektronische Informationsversorgung gehalten: „Das hybride Zentrum juristischer Informationen der „Bucerius Law School“ (Hamburg)“.

Bericht vom 30. Österreichischen Bibliothekartag in Graz  (15.09. – 18.09.2009, Stadthalle Graz)

Nach dreijähriger Unterbrechung rief die „Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB)“ und der „Büchereiverband Österreichs (BVÖ)“ zum 30. Österreichischen Bibliothekartag auf – und mehr als 750 Interessierte aus Österreich und dem europäischen Ausland (darunter auch Hamburg) folgten diesem Aufruf.

Der Kongress stand unter dem allgemeinen Motto „The Ne(x)t Generation – Das Angebot der Bibliotheken“ und hatte zum Ziel die Diskussion über Bibliotheken als kompetente Dienstleistungsunternehmen und Partner im Prozess der Wissensvermittlung, den aktuellen Stand der Forschung über „Teaching Library“, hybride Bibliotheken und die elektronische Bibliothek sowie die Entwicklung weltweit neuer Bibliotheksbauten als wissenschaftliche Lern- und Arbeitsorte.

Sollten die Thesen des Berliner Professors Michael Seadle zutreffen, nach denen der Erfolg einer jeden Konferenz abhängt von den Faktoren Attraktivität des Veranstaltungsortes, Umfang des Kongresses, Verpflegung während des Kongresses, technologische Ausstattung des Veranstaltungsortes und aufzuwendende Kosten für die Kongressteilnahme, so kann der „30. Österreichische Bibliothekartag“ allein unter diesen Aspekten als voller Erfolg bezeichnet werden – doch nehmen wir nicht das Fazit vorweg:

Der Kongress wurde am ersten Veranstaltungstag (Dienstag, 15.09.2009) mit einer Pressekonferenz im historischen Lesesaal der Universitätsbibliothek Graz eröffnet. Gegen Abend folgte dann, eingeleitet durch den Festvortrag von Rüdiger Wischenbart mit dem Thema „Das Universum, das andere die Bibliothek nennen“, die Eröffnung der Tagung für alle Gäste, dicht gefolgt von einem opulenten Büffet.
Die Veranstaltungen am Mittwoch (16.09.2009) verteilten sich zeitgleich und recht komprimiert auf fünf Säle und widmeten sich den Themenbereichen „Bibliothekskataloge für die Ne(x)t Generation“ (Vorstellung von Primo – eines Konsortialmodells für den ÖBV und Aquabrowser – ein revolutionärer Bibliothekskatalog), „Bibliotheksmanagement“ (Prozesskostenrechnungen, Beispiele für die Balanced Scorecard, Vorstellung des BIX für wissenschaftliche Bibliotheken sowie Möglichkeiten der Zertifizierung von Bibliotheken), „Provenienzforschung“ (Medizinische Bibliotheken in der NS-Ära, die UB Graz 1938 – 1945, die Studienbibliothek Linz in der NS-Zeit), „Berufliche Anforderungsprofile“ (Anforderungen an die Ausbildung, Leitungsfunktionen in Bibliotheken, bibliothekarische Ausbildung in der Zukunft, FAMI-Ausbildung), Konzepte der „Teaching Library“ (ICT Literacy, die UB in der Hochschullehre, Lernen mit neuen Medien), „Prozessoptimierung und Outsourcing an Bibliotheken“ (Agenturen als Dienstleister für eRessourcen, Approval Plans), „E-Books und digitale Rechteverwaltung“ (E-Books on Demand), die „Sondersammlung im 21. Jahrhundert“ (Frühformen des Stundenbuchs, Digitale Schreibstube, ein Webportal zu österreichischen Handschriften), Aspekte der „Inhaltserschliessung“ (Typisierung semantischer Relationen, Einführung der DDC in der OÖLB) sowie „Recherchetools für die Ne(x)t Generation“ (EBSCOhost integrated search und SciFinder für das Web).

Persönliche Interessen und Präferenzen waren gefordert, um sich aus der Vielzahl jeweils halbstündiger Vorträge das Relevante in angemessener Tiefe zu erschliessen. Der Tag wurde beschlossen mit einer Vorführung des Filmspektakels „The Hollywood Librarian“.

 Am Donnerstag (17.09.2009) lag der Schwerpunkt der Veranstaltungen auf den Themen „Bibliometrie“ (Das Messen des Unwägbaren), „Dienstleistungen für Bibliotheken“ (Bibliotheksautomatisierung, Vernetzung von Dienstleistungen), „Konsortialverträge“ (Finanzieller Nutzen von Konsortialverträgen), „Bibliothekskataloge im Web 2.0“ (Second Life, Collaborative Tagging), „Bibliotheken als Ort für die Ne(x)t Generation“ (Die rechtswissenschaftliche Fakultätsbibliothek, das Hybride Zentrum juristischer Informationen), „Aus- und Weiterbildungsansätze“ (Generationenwechsel in Bibliotheken, Bobcatsss 2011), „Digitalisierung“ (Massendigitalisierung, die Digitale Werkbank, Virtuelle Welten, Digitale Langzeitarchivierung @ Universität Wien), „Online-Angebote in ÖB“ (Ausleihe digitaler Medien, Digitale Services von ÖB), „Schulbibliotheken“ (Lesekompetenz und Migrationshintergrund, Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen), „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ (Herausforderung Interkulturalität), „Österreich-Bibliotheken in Mittel-, Ostund Südosteuropa“ (ÖNB und slawischsprachige Literaturen) sowie den „Aktivitäten von PensionistInnen“. Der für Teilnehmer wie Veranstalter zweifellos strapaziöseste Tag des gesamten Kongresses mündete in die Generalversammlung der VÖB und wurde abgerundet durch einen Festabend mit Kabaretteinlagen.

Der letzte Kongresstag stand im Zeichen von Referaten und Diskussionen zu den Themen „Bibliotheksrecht“ (Bibliotheksgesetze in Europa, Thüringer Bibliotheksgesetz), „Kosten-/Nutzen-Analysen elektronischer Medien“ (SwetsWise Selection Support, HeBISStatistikserver), „Informationsmanagement und Literaturverwaltung“ sowie
„Schulbibliotheken für das 21. Jahrhundert“ (mit Beispielen aus Südtirol und weiteren österreichischen Modellen). Zeitgleich mit dem letzten Vortrag schloss dann auch die den Kongress umgebende Firmenausstellung.

Eine zwangsläufig sehr subjektive und persönliche Bewertung des Spektrums angebotener und besuchter Vorträge und Veranstaltungen sei erlaubt:  Der 30. Österreichische Bibliothekartag firmierte unter dem Motto „The Ne(x)t Generation – Das Angebot der Bibliotheken“ und wurde diesem trotz der Heterogenität der Referenten und Referate im vollen Umfang gerecht. Die Beiträge waren ausnahmslos zeitgemäß, zukunftsweisend, wissenschaftlich fundiert und nur zum geringen Teil bezogen auf rein österreichische Verhältnisse und Problematiken. Die Referate mit schulbibliothekarischen Inhalten hätten z.B. auch auf dem letzten deutschen Bibliothekartag in Erfurt beeindrucken können – hier konnten anwesende deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom beeindruckenden Wissens- und Erfahrungsvorsprung der österreichischen Szene profitieren. Geschilderte Probleme und Ansätze zu ihrer Lösung waren immer übertragbar auf deutsche Verhältnisse, und dies sollte uns im zunehmend europäisch normierenden Kontext auch nicht überraschen.

Keinen unwesentlichen Beitrag zum vollumfänglichen Erfolg des Kongresses lieferten die 55 Vertreter renommierter österreichischer, deutscher, englischer und US-amerikanischer Verlage, Anbieter bibliotheksrelevanter Software, Bibliotheksausstatter und praxiserprobten Profis manch fachlichen Impuls mit auf den Weg und boten darüber hinaus mit ihren im Foyer der Grazer Stadthalle situierten Ausstellungsständen reichlich Möglichkeit zur Information und Kommunikation zwischen engagierten Anbietern und potentiellen Kunden. Bedingt durch die derzeitige wirtschaftliche Krise hielten sich jedoch auch hier – glaubt man den kargen Statements einiger Insider – konkrete Vertragsabschlüsse und Auftragserteilungen in sehr überschaubaren Grenzen.

Das exquisite und wohlorganisierte Rahmenprogramm erstreckte sich von Mittwoch bis in den Samstag hinein und verwöhnte interessierte Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer mit thematisch unterschiedlichen Stadtrundgängen, einem Besuch des Benediktinerstifts Admont und seiner Bibliothek, einer Fahrt zur Riegersburg und einer Schokoladenmanufaktur sowie einer Weinverkostung im Weinkeller des bischöflichen Schlosses Seggau.

Eine detailliertere Beschreibung des Kongresses wird zeitnah als Tagungsband der „Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare“ publiziert werden.

Der 31. Österreichische Bibliothekartag wird vom 18. bis 21.10.2011 in Innsbruck stattfinden, inoffiziell hat sich der begeisterte Verfasser dieser Zeilen bereits dort angemeldet.

Martin Vorberg, Dipl. – Bibl., M.A. (LIS)
Bibliotheksleitung @ Bucerius Law School (Hamburg)

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